Fünfundsechzig, gemüseliebende Bienen Charaktere:
Manfred (Ehemann):
Vom Frust des weltlichen Daseins geplagt flüchtet sich in heile Welt
Gattin:
Gelangweilte Ehefrau
Sohn:
Sinnbild für die Nachkommen welche von den frustgebeutelten Eltern schlussendlich zu Grunde gebracht werden
Rote Person:
Sinnbild für die verdrängte Wut und Emotion aller Charaktere
Imker1(Reinkarnation des Sohnes), Imker2 (Manfred):
Sinnbilder der zwei gespaltenen Aufopferung
1. Szene
Auf der Bühne stehen zwei Bienenkästen einer rot, einer gelb. In der Mitte zwei Stühle, am Boden befinden sich wild verstreut, getrocknete Blumen. Wiesengeruch. Der Hintergrund ist dunkel, bzw. grau verschleiert. Das Summen von Bienen ist zu vernehmen, ist wird lauter und lauter. Plötzlich betritt eine im Bienenumhang verschleierte Person den Raum. In vorsichtiger Beobachtungshaltung umkreist diese die Bienenstöcke. Eilt hin und her um jene Beschaffenheit und Bevölkerungsdichte zu beurteilen. Doch langsam scheint es so, als ob dieser hochkonzentriert, Biene für Biene, Biene aus Bienenstock Rot mit Biene aus Bienenstock Gelb zu vergleichen. Die Bewegungen der Person werden immer unruhiger. Die Person säuselt heftig und notiert.
Imker1: Biene 1 von Bienenstock Gelb, größer als Biene 2 von Bienenstock Rot dafür Biene 6729 aus Bienenstock Rot breiter als Biene Nummer 13 aus Bienenstock Gelb. Biene 629 aus Bienenstock Rot… bessere Persönlichkeit als Biene 25 aus Gelb… 56 aus Gelb hat dunklere Streifen… oh, das gibt schon wieder Abzug bei Rot… Biene 89 ist tot.
Plötzlich unterbricht ein zweiter Imker den Vergleich.
Imker2: Guten Tag. (betritt dieser stolz den Raum )
Imker1: (von Imker2 zu Tode erschrocken) ALLES ZUM WOHLE DES BIENEN VOLKES!!!!
Stille.
Imker2: Heil dem Volke! Jawohl, und den Bienen ein Wohlgefallen! Nun was gibt es zu berichten. Schon wieder Aufstände in Rot, oder alles beim alten… sie wissen, so etwas wie die Juli Revolution darf nicht wieder vorkommen… Die Honigeinbussen waren schrecklich. Kein Gelee Royal für die werten Nachkommen der Königin, Hungersnot im ganzen Staat… eine Katastrophe, Katastrophe, Katastrophe, KATASTROPHE !
Imker1: ( strammstehend und mit stolzem Blick) Alles beim Alten! Bin gerade bei der Volkszählung, wobei ich mir eine kleine Reform in Punkto Rassenpolitik erlaubt habe. Sie wissen ja, gutes Volk, gutes Gold… Damit meine ich selbstverständlich den Honig.
Imker2: Nun gut, sofern sie es nicht zu weit treiben… Wie lautet die Sterberate…
Imker1: Heute war es nur Nummer 65. Die war eh schon längst überfällig. Musste, wurde, war aussortiert werden.
Imker2: Hervorragend, gut genug um weiter zu machen, ein Maul weniger zu stopfen! Wie läuft es mit der Geburtenrate, wieder alles im Gange.
Imker1: Seit dem wir Aspirin und Ähnliches verboten haben, ebenso hervorragend. Jedoch kommt die Bienenkönigin nun auch schon in die Jahre. Sie zählt Tage, Wochen, Monate.
Imker2: Ah…( scheint sich im Erfolg gerade zu sonnen) Nun gut, ich glaube darauf lässt sich ausruhen.
Imker2 und Imker1 setzten sich.
Imker2: Wissen Sie, es war schon immer mein Traum…
Imker1: Was?
Imker2: Was… was?
Die Bühne verdunkelt sich, der Vorhang schließt.
2. Szene
Als sich der Vorhang öffnet füllt eine vollständig eingerichtet Küche den Raum. In der Mitte der Küche befindet sich ein Tisch, darauf Papierblumen in einer Vase. Eine Frau sitzt am Herd und trinkt Wein. Zufrieden jedoch gelangweilt schaukelt sie mit den Füßen hin und her. Nach einem kräftigen Schluck schubst sie sich vom Herd und blick aus dem Fenster über der Spüle.
Gattin: Scheiße…
Völlig verzweifelt und nervös versucht sie eine Beschäftigung zu finden. Sie beschließt sich zum Küchentisch zu setzen und weiter gelassen ihren Wein zu trinken. Ein Mann betritt den Raum.
Ehemann: Guten Tag. Schatz ich hab tolle Neuigkeiten…
Gattin: (mit verschmitztem Lächeln) So.. was denn Schönes?
Ehemann: Mir wurde heute gekündigt und da ich ohnehin vorhatte mit der Arbeit aufzuhören und bereits 65 bin, und weil mir meine Gattin immer vorjammert ihr wäre langweilig und sie hätte nichts zu tun… Bin ich nun Rentner! Toll nicht war?
Gattin: (summend mit gehobenem Wienerakzent) Jö, aber das ist JA, ja hervorragend, lieber Ehemann, Manfred ich bin so… glücklich, jetzt wird mir sicher, sicherlich nicht mehr langweilig. Endlich hab ich meinen geliebten Ehemann zurück… was für eine Freude!
Ehemann: Doll nicht war…
Widerwillig zufrieden gehen beide auf einander zu um sich zu umarmen.
Gattin: (flüstert) Ich bin ja so glücklich. Jetzt kann ich den Wein auch gleich wegleeren.
Plötzlich rennt eine von Kopf bis Fuß rot angestrichene Person in den Raum und schreit fürchterlich. Die Darsteller im Hintergrund jedoch nehmen sie nicht war. Nach zehn Sekunden verschwindet diese wiederum und die Handlung geht weiter.
Gattin: Ach Manfred mein lieber, lieber Manfred. Das musst du sofort deinem Sohne zu Gehör vermelden.
Ehemann: Eine wunderbare Idee… Sohn!
Sohn: (heraneilend, ebenso mit gehobenen Akzent) Jawohl, Herr Manfred… geliebter Vater.
Ehemann: Ich bin nun Rentner.
Sohn: Ach wie wunderbar, mein lieber, lieber Vater, die Mutter hat sich doch schon so gelangweilt…(mit verächtlichem Blick zur Mutter)
Sie umarmen sich. Zum zweiten Mal rennt die Rote Person in die Küche und schreit fürchterlich, wieder Zehn Sekunden.
Sohn: Nun, was hast du jetzt vor mein lieber Vater Manfred. Ein Wunsch der nun in Erfüllung gehen soll, eine lang verborgene Sehnsucht oder lieber gleich sterben…
Ehemann: Um ehrlich zu sein, wüsste ich es um genau zu sein nicht wirklich genau. Ich werde vermutlich meine Familie nun öfters sehen um zu beginnen. Ein bisschen Zeit nachholen im Punkto: Dinge die ich bis jetzt nicht tun konnte.
Gattin: Fantastisch, Manfred ich bin so stolz.
Sohn: Auf was?
Stille.
Gattin: Lass uns erst einmal etwas Essen, ich koche uns einen herrlichen Braten, einen herrlich guten Braten mit Gemüse.
Ehemann: Hervorragend. Bin ich so glücklich eine solch wunderbare Gattin zu haben.
Sohn: Ja… mit Gemüse! (säuselt der Sohn wiederum)
Gattin: ( mit hoch schweifendem Blick und mit ruhiger verträumter Stimme) Ja, mit Geeemüüüüsse…
Vater und Sohn setzen sich in angespannter Position zum Küchentisch. Die Mutter steht vor dem Herd. Zum Dritten Mal erscheint die rote Person, diesmal gähnt sie. Währendessen wechselt die Angespannte Position des Vaters und des Sohnes ( und des heiligen Geistes Amen, Entschuldigung… kleiner Scherz) in eine gelangweilte halb auf dem Stuhl liegende Position. Die Mutter dreht sich mit Braten um, platziert diesen, deckt den Tisch, nimmt die Strohblumen wirft sie in die Ecke spuckt darauf und die Handlung geht weiter.
Gattin: Guten Appetit!
Sohn: - Lasst uns beten! Herr Vater, Frau Mutter!
Ehemann: - Was für ein herrlich guter Braten!
Sohn: --Gibt es auch ein Getränk?- Und wer betet?
Gattin: - Niemand. (reicht dem Sohn die Kanne) Prost.
Ehemann: - Ein wirklich fabelhafter Braten. Hervorragend.
Die Mutter schneidet den Braten und reicht dazu Gemüse. Sie beginnen zu essen.
Sohn: Oh, Gemüse.
Ehemann: Nahrung der Bienen. Fleißiger Bienen. Bekommen Gemüse.
Gattin: Ehre, dem Ehre gebührt. Ein hoch auf unsern Manfred. Mit Gemüse. (stolz erhebt sie das Glas)
Ehemann: (nickt zustimmend) Ach was hab ich doch für eine wunderbare Frau! Du gibst mir Gemüse.
Sohn!
Sohn: -Herr Vater?
Ehemann: Etwas Neues in der Nachbarschaft? Ein neues Gespräch oder Lästerliches?
Sohn: So viel ich weiß gibt es jetzt einen Imker in der Nachbarschaft… der heißt, wie heißt er doch gleich… Ähm, keine Ahnung.
Ehemann: Bienen, hervorragende Tiere, hart arbeitend, dem Volke in jeder Hinsicht treu, und die reinste Form der Süße produzierend… Honig… hervorragend die Primi der Klasse Natur. Und sonore Musikanten.
Gattin: Bienen, immer treu. Sonst?
Sohn: Herr Müller hat seinen Sohn schon wieder grün und blau geprügelt.
Ehemann: Herr Müller?
Sohn: Ja, Herr Müller eben, immer in braunem Anzug unterwegs, ständig schlecht drauf…
Ehemann: Herr Müller?
Sohn: Seitenscheitel?
Ehemann: Ach so… der hat einen Sohn…
Gattin: Wie schmeckt der werte Braten?
Sohn: Hervorragend.
Ehemann: Hervorragend! Mit Verlaub deine beste Kreation, als hätte das Kalb bei der Zubereitung noch gelebt, hervorragend.
Gattin: Ach Manfred du Charmeure! Es war natürlich erst halb tot, gewinselt hat es immer noch.
Die Gattin blinzelt zufrieden genehmigt sich einen weiteren Schluck Wein isst ein Stück Brokkoli und beginnt plötzlich heftig zu röcheln. Die Gattin bekommt keine Luft.
Sohn: Herr Vater…
Ehemann: Jawohl?
Sohn: Ich glaube die Mutter stirbt…
Ehemann: (wendet den Blick zur Gattin welche in einem Todeskampf verzweifelt nach Luft ringt) Was ist los werte Gattin?
Der Ehemann steht auf um der in Lebensgefahr schwebenden Gattin zu Hilfe zu kommen. Verzweifelt versucht er sie mit kräftigen Stoßbewegungen wieder zum Atmen zu bringen.
Fassungslos und doch seelenruhig verharrt der Sohn. Das Szenario stoppt plötzlich, klassische Musik wird eingespielt und der Vorhang schließt sich.
3. Szene
Als sich der Vorhand öffnet stehen Vater und Sohn vornehm gekleidet inmitten der Bühne. Beide starren lautlos auf den Boden, der Vater hält einen Strauß Strohblumen in der Hand. Daneben ein Priester welcher mit lautlosen Gesten eine Beerdigung moderiert.
Sohn: Ist es vorbei?
Manfred: Ja… bist du noch da?
Sohn: Atmet sie nicht mehr?
Manfred: Ja… ja ich glaub schon. Es fehlt der Ton.
Sohn: Mochte sie Strohblumen?
Manfred: Sie liebte sie, umarmte sie, so verarmte sie… innerlich… gerade zu…
Sohn: Glaubst du sie lebt weiter, Herr Vater?
Manfred: Nein, nein, NEIN… ich bin dein Vater, sie war deine Mutter… nenn mich Manfred! Der Vater geht… mit der Mutter.
Sohn…
Sohn: Ja…
Manfred: Warum höre ich den Priester nicht? Es sticht… tief ist die Wunde.
Sohn: Vielleicht bist du taub... du hast nicht gebetet
Manfred: Hörst du ihn? Siehst ihn dennoch, wenn auch… hör auf.
Sohn: (unterwürfig) Nein… nein das tu ich nicht Herr… Manfred.
Manfred: Warum hat sie aufgehört zu atmen… wegen dem Gemüse? Der Bienen wegen, dies gegeben, genommen…
Sohn: Wahrscheinlich...
Manfred: - Hab ich zu wenig gekämpft, zu früh aufgehört… zu wenig versprochen, viel zu viel dafür gegeben dennoch schweben…wir?
Der Priester verschwindet nun, mit ihm verdunkelt sich der Rest der Bühne. Vater und Sohn setzten sich auf den Boden, als Einzige werden sie von einem Scheinwerfer nunmehr erleuchtet.
Manfred: Der Braten war gut, zu gut.
Sohn: Ja, ja das war er, und das Gemüse.
Manfred: Tödlich. Sohn?
Sohn: Ja Manfred…
Manfred: Wie lautet dein Name… wer hat dich geboren, wann hab ich sie verloren.
Sohn: Ich weiß nicht was du damit meinst Manfred, du bist mein Vater.
Manfred: Das muss wohl stimmen, mein licht beginnt zu dimmen…
Sohn: Christian…
Manfred: Weißt du Christian (beginnt er mit nostalgischem Unterton), deine Mutter war eine, eine sehr besondere Frau. Sie war für mich der Garten Eden, zu sein, stets zu geben. Aphrodite.
Frucht der Liebe, Kühle umspannt ihr Antlitz, sie atmete tief, ich rief… doch sie antwortete nicht.
Sohn: Manfred?
Manfred: Ja…
Sohn: Glaubst du an den Himmel?
Manfred: Himmel? Was ist ein Himmel… Ob ich an tausende kleine, fliegende, menschliche, Zwergmächenschweine glaube, die geflügelt einen weißbärtigen Schöpfer preisen. Inmitten eines Michelangelo Himmels, und Petrus der vor der goldenen Pforte, auf die Menschen herabsehend, diese beurteilt, verurteilt, verdammt verschließt… Oder ist das nicht, Der Himmel? Das Blau… Ist der Himmel vielleicht oder wohl eher eine Wolke liebkosender ewiglich lebender Bienen, mit ihrem Honig tränkend, dich sanft in den Schlaf wiegend, dich preisen wie ihren waren Schöpfer, ihren Vater. Welche dich beschützen, vor all dem Bösen, das lauert und überdauert alle Zeit. Oder ist es vielmehr nur ein Gefühl, stilles Kalkül…uns.
Sohn: Eine Wolke… in dem Moment als es passierte kam es mir wie eine Wolke vor, eine Wolke, die alles um mich herum verschlang. Mir das Licht raubte, das Geräusch raubte, den Geruch des Bratens… es war wie als hätte die Welt aufgehört zu existieren, als würde ich nicht lebend in einer Wolke mitschwirren.
Manfred: Glaubst du etwa, dass es uns geholfen hat?
Sohn: Glaubst du es denn?
Manfred: (er säuselt) Ich glaube dass sie die Strohblumen geliebt hat, verehrt wie ich sie.
Sohn: Manfred. Wir sollten nach Hause gehen.
Manfred: Gut… doch lass mich noch ein bisschen, ein bisschen bleiben…
Der Sohn verschwindet in der Dunkelheit. Der Ehemann legt sich nun auf den Boden. Das Summen der Bienen ist wahrzunehmen. Es wird lauter und lauter. Nun verdunkelt sich auch der Rest der Bühne. Der Vorhang schließt sich, während das Summen der Bienen leiser wird.
4.Szene
Als der Vorhang sich öffnet befinden sich Vater und Sohn wieder in der Küche. Beide sitzen sie am jeweils anderen Ende des Tisches, die Gattin in der Mitte. Sie ist mit einem weißen Bienenkostüm gekleidet und zupft gelassen an den am Tisch liegenden Strohblumen.
Sohn: Siehst du sie…
Manfred: Wieder?
Sohn: Sag du es mir?
Manfred: Soll ich dir auch verraten wie sie diesmal aussieht. Oder reicht es dir nicht dass ich sie vor mir sehen muss?
Sohn: Wie sieht sie aus? Ist sie wieder in Form einer Biene oder ist sie vielleicht diesmal ein Mistkäfer.
Manfred: Biene.
Sohn: Zupft sie schon wieder an den Strohblumen?
Manfred: Sollte sie, darf sie oder muss sie?
Sohn: Das entscheidest immer noch du… oder?
Manfred: Konntest du schon jemals den Willen einer Frau beeinflussen?
Sohn: Einer Toten?
Manfred: Was spielt das überhaupt für eine Rolle, tot nicht tot, Blut, kein Blut. Luft zu atmen, erstickt… Wenn ich sie so ansehe könnte man fast meinen sie wäre lebendig… Strohblumen zerrupfende Biene. Erstickt ist sie! Vor meinen gottverdammten Augen! In meinen gottverdammten Armen. Wer war der Mörder... das Gemüse oder ich.
Sohn: Trinkt sie Wein?
Die Gattin Steht auf wirft die Strohblumen in die Ecke, spuckt darauf, richtet sich ein Glas Wein und setzt sich auf den Herd.
Manfred: Sie hat noch nie Wein getrunken…
Sohn: Wo sitzt sie jetzt? Auf dem Herd… Wein trinkend… Mit den Füßen schaukelnd gelangweilt… im Bienenkostüm?
Manfred: Was redest du der Herd ist frei von jeder Biene... (Manfred kichert und erscheint plötzlich angetrunken.) Glaubst du ich hab sie geliebt? Glaubst du dass hab ich… hat sie mich geblendet, durch ihr GEMÜSE… (bricht er vor lachen beinahe zusammen)
Sohn: (steht auf, nimmt der Wein trinkenden Gattin das Glas, stellt es auf den Tisch, wartet und trinkt dann selber) Ich bin nicht so wie du! Du bist anders…
Manfred: Ich bin dein Vater…
Sohn: Hast du sie geliebt.
Manfred: JA, ja verdammt das hab ich!
Sohn: Liebte sie Strohblumen?
Das Bienensummen setzt wieder ein, wird lauter und lauter, die Bühne verdunkelt sich. Vorhang schließt.
5. Szene
Als das Summen der Bienen plötzlich verstummt wird die Küche plötzlich hell erleuchtet. Manfred hält nun eine Waffe in der Hand und hält sie gegen die Stirn des Sohnes, welcher kniet. Die Gattin liegt nun am Tisch und scheint zu schlafen. Die Stimmung ist angespannt, nur die Gattin zittert nicht.
Manfred: Feuer und Flamme, Leben und Tod… warum hast du ihn geblendet? (sein Blick schweift ins Publikum; wenn überhaupt vorhanden…)
Sohn: (mit weinerlicher Stimme, kreidebleich in Todesangst) Vater, bitte, bitte blende mich nicht!
Gattin: (dabei weiterhin die Augen geschlossen) Er wird es nicht tun, so hervorragend ist er nicht… er wird dich mir nicht schenken! So wie es sein müsste… er braucht dich.
Sohn: Mutter?
Gattin: Hurra du kannst mich hören, wenn auch sehen, zu Lebzeiten nicht das Selbe… lebst du schon oder stirbst du noch? (Mutter erbricht fast vor lachen, rekelt sich am Tisch, Augen jedoch noch immer geschlossen)
Sohn: Willst du mir helfen?
Gattin: Nein er braucht dich noch! Ich kann dir nicht helfen, sag ihm nur nicht dass du mich hörst! Er wird sonst wissen wo er mich findet!
Manfred: Mit wem sprichst du?
Sohn: Niemand!
Ein Knall ertönt und der Sohn sinkt zu Boden. Fassungslos starrt Manfred ins Leere, Schweißperlen tropfen vom Gesicht. Die Mutter stoppt, sie rekelt sich nun nicht mehr und verharrt in tödlicher Stille. Wenig später öffnet sie wieder die Augen, steigt vom Tisch und liebkost Manfred.
Gattin: Ach mein Manfred, mein armer kranker, hervorragender Manfred ist dir das Gemüse nicht wohl bekommen? Bist du schlecht gelaunt du hervorragender … MENSCH… oder doch nur Gemüse…
Manfred: Wieso spüre ich nichts, warum diese Leere? Warum keine Träne, lebe ich?
Klassische Musik ertönt wieder. Die Bühne verdunkelt sich, der Vorhang schließt.
6.Szene
Als sich der Vorhang öffnet ist der Küche ein blauer Hintergrund gewichen, Heugeruch ist wahrzunehmen. Die Bühne ist hell erleuchtet, wieder ist Bienensummen zu vernehmen, jedoch nur sehr leise und in beruhigender Melodie. Manfred sitzt in der Mitte der Bühne, mit zerrissenem Sakko starrt er ins Leere. Er hält eine Fliegenpeitsche in der Hand, immer wieder schlägt er damit aus. Die Waffe liegt am Boden, ringsum Blut. Der Sohn betritt den Raum, und stellt einen roten Bienenkasten neben Manfred. Bald darauf folgt die Gattin welche auf der entgegen gesetzter Seite einen gelben Bienenkasten platziert.
Sohn: Der Tag wird kommen…
Gattin: …an dem wir…
Sohn: …bestimmen…
Gattin: …welches…
Sohn:… Ende wir wählen…
Sohn und Gattin gehen von der Bühne.
Manfred: Warum war ich vom Hass bestimmt, warum folge ich nicht einfach den Bienen? Sind sie mir zu wider? Gibt es den Tod oder das Leben überhaupt, stirbt man verwehst man, wird man zu Gemüse? Isst man Gemüse. Gemüse das Insekten wie die Bienen ernährt, welches Leben schenkt bis ein Bienenstock stirbt? In sich einst das Leben birgt. Ist man auf ewig bestimmt Futter der Bienen zu sein... Ich liebe dich meine Gattin, mein Sohn… warum sind sie gefangen im Blau des Himmels, warum darf ich sie nicht sehen? Zu ihnen stehn? Sind es die Bienen die es mir untersagen? So will ich es nicht wagen…
Manfred steht auf geht auf die Pistole zu, plötzlich erscheint die Rote Person noch einmal hebt die Waffe und zielt auf Manfred.
Manfred( schreiend) : Blut zu Blut… will ich ins Blau?
Rote Person: Du willst ins Blau, dort kannst du schreien und niemand wird dich hören!
Ich werde frei sein, du wirst frei sein und die Bienen…
Manfred: Warum sollte ich schreien? Ich wusste nie warum ich sollte…(flüsternd) je wollte…
Rote Person: Du hättest sie gerettet hättest du geschrien! Es wäre kein Blut um uns herum, das Blau wäre fern! Schrei, doch schrei mach uns frei… von Schuld!
Manfred: (scheint in sich gekehrt zu sein) NEIN, verschwinde!
Rote Person: SSSSSCHREI! Verdammt noch mal SSSCHREI! Alles wird vorbei sein! Niemand mehr im Blau, nur du, wenn du schreist…
Manfred: NEIN, die Bienen brauchen mich, ich kann kein Gemüse sein, sie werden sterben ihre Last nicht vererben!
Rote Person: Stirb, Manfred stirb! Lass es los, lass die Bienen dich in ihrem Rausch davon tragen, werde zum Gemüse! Lass deinen Körper wurzeln im Blau!
Manfred: STERBEN, was ist wenn ich sein will, die Bienen liebe!
Rote Person: Ab-
Manfred: -VERSCHWINDE!
Die Rote Person geht von der Bühne, Manfred sinkt zu Boden. Er weint. Er schreit.
Manfred: GATTIN; kannst du mich hören?
Gattin: (erscheint und kniet sich zu Manfred, hält ihn tröstend) Mein Manfred… schlaf, schlaf tief und fest…
Die Bühne verdunkelt sich, diesmal kein Bienenrauschen.
7. Szene
Als sich die Bühne erhellt sind das Blut und die Waffe verschwunden, leise rauschen wieder die Bienen. Manfred steht auf. Setzt sich auf den Stuhl und hört dem Rauschen der Bienen, er atmet tief ein und aus, steht wieder auf und findet einen Imkerhut am gelben Bienenkasten vor. Er setzt ihn auf und öffnet den Kasten.
Manfred: Ich werde mich nun um euch kümmern… ihr werdet meine Kinder, mein Leben… mein Mark… ich werde für euch leben bis mich das Blau des Himmels verschluckt und bis euer Summen… nie verstummen… NIE… mich wird nichts davon stehlen aus aller sinnlichen Welt… BEVOR DAS MEINER KINDER.
ENDE